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Allgemein:SkF Langenfeld warnt vor sozialen Risiken der Grundsicherungsreform: „Ohne Wohnraum wird Integration in Arbeit schwer“

Ausstellung Wohnen Stuttgart by FES Julian Rettig -2
Datum:
11. März 2026
Von:
Fabian Sasnauskas

Die Reform der Grundsicherung für Arbeitsuchende, die der Deutsche Bundestag am 5. März 2026 beschlossen hat, wird bundesweit kontrovers diskutiert. Aus Sicht des Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) e.V. in Langenfeld enthält sie sowohl Chancen als auch Risiken: Zwar erleichtert die Reform den Zugang zu arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumenten und soll besonders Menschen mit Vermittlungshemmnissen den Einstieg in Beschäftigung erleichtern. Gleichzeitig birgt sie jedoch soziale Risiken – allen voran die Verschärfung bei den Kosten der Unterkunft.

„Viele Menschen wollen arbeiten oder wieder eine Perspektive entwickeln“, sagt Stephanie Krone, Geschäftsführerin des SkF Langenfeld. „Doch ohne sicheren Wohnraum wird jeder Schritt zurück in Arbeit enorm erschwert.“

Der SkF e.V. Langenfeld ist in der Wohnungslosenhilfe sowie in der Beschäftigungsförderung aktiv und betreibt unter anderem ein Sozialkaufhaus. Aus der täglichen Arbeit wissen die Fachkräfte: Wer keine stabile Wohnsituation hat, findet nur schwer zurück in Arbeit oder gesellschaftliche Teilhabe.

Beispiel aus der Praxis

Eine Frau Mitte 40, die derzeit Bürgergeld bezieht, steht exemplarisch für viele Betroffene. Nach gesundheitlichen Problemen und Familienphase möchte sie wieder arbeiten und ihr Leben neu ordnen. Gleichzeitig lebt sie aber in einer belastenden und konfliktreichen Beziehung.

„Sie sucht dringend eine eigene Wohnung, doch auf dem freien Markt ist nichts bezahlbar. Wir sehen täglich Menschen in genau solchen Situationen – und die Reform der Grundsicherung löst dieses Problem nicht“, erklärt Rainer Sartoris, Bereichsleiter der Wohnungslosenhilfe.

Kommunale Unterstützung – aber Grenzen bleiben

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Langenfeld und lokalen Akteuren bewertet der SkF positiv. Viele Initiativen und Programme helfen Menschen in schwierigen Lebenslagen. Doch die Engpässe auf dem Wohnungsmarkt lassen sich lokal nur begrenzt ausgleichen.

„Die Kommunen tun, was sie können, aber ohne bundespolitische Impulse können wir das Problem der Wohnungsnot nicht lösen“, so Krone weiter.

Ausstellung „Wohnen im Umbruch“ macht soziale Folgen sichtbar

Wie eng Wohnen, Arbeit und soziale Stabilität miteinander verknüpft sind, zeigt auch die Ausstellung „Wohnen im Umbruch“ der Friedrich-Ebert-Stiftung, an der sich der SkF aktiv beteiligt. Die Ausstellung beleuchtet die sozialen Folgen steigender Mieten und des knappen Wohnungsangebots.

„Wir wollen zeigen, dass soziale Stabilität immer auch mit Wohnraum beginnt. Wer Menschen wieder in Arbeit bringen möchte, darf sie nicht gleichzeitig in unsicheren Wohnverhältnissen lassen“, betont Anke Merten, Bereichsleitung des Beschäftigungsbetriebes.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27.03.2026 im Gebäudekomplex Sass am Markt an der Solinger Straße in den ehemaligen Geschäftsräumen der Depot-Filiale zu sehen. 

Reform nur mit begleitenden Maßnahmen sinnvoll

Der SkF Langenfeld begrüßt grundsätzlich die Öffnung von Förderinstrumenten für Langzeitarbeitslose und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Gleichzeitig fordert der Träger begleitende Maßnahmen, um negative Effekte der Reform abzufedern:

Deutlicher Ausbau von sozialem und bezahlbarem Wohnraum
Sicherung ausreichender Kinderbetreuungsplätze
Ausreichend Personal in Jobcentern
Stärkung der sozialpädagogischen Begleitung arbeitsmarktferner Menschen
Sanktionen nur unter Berücksichtigung individueller Lebenslagen
„Arbeit, Wohnen und soziale Stabilität gehören zusammen“, fasst Krone zusammen. „Wenn wir Menschen echte Chancen auf dem Arbeitsmarkt geben wollen, müssen wir ihnen zuerst ein sicheres Zuhause bieten.“

Der SkF Langenfeld appelliert daher an Bund, Länder und Kommunen, die Umsetzung der Reform sozial ausgewogen zu gestalten und die notwendigen Strukturen auf kommunaler Ebene zu stärken.

Foto: FES / Julian Rettig